Viele kennen den Begriff noch nicht. Logisch, denn der Mlafalismus ist neu, keine zehn Jahre alt. Aber ein neues Wort macht nur Sinn, wenn es für einen neuen Inhalt steht. Was also bedeutet Mlafalismus?
Mlafalismus bezeichnet die gleichberechtigte künstlerische Zusammenarbeit von Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und doch ähnlichen Ambitionen. Zum Beispiel von Menschen mit und ohne Behinderung.
Ein ausgebildeter Künstler und ein Mensch mit Down-Syndrom malen gemeinsam ein Bild. Beider Ideen und Malweisen bringen sich in das Werk ein, und so entsteht etwas völlig Neues. Das ist Mlafalismus.
Ein körperbehinderter Künstler erarbeitet mit einer Rechtsanwältin eine Metallplastik, und zum Schluss steht da ein Werk von eindrücklicher Schönheit. Das ist Mlafalismus.Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderungen kommuniziert mit Klängen und Geräuschen, und daraus entsteht Musik von nie gehörter Intensität. Das ist Mlafalismus.
Mlafalismus kann man nicht erzwingen. In der Bildnerischen Werkstatt ist er eine Möglichkeit, kein Muss. Ein bisschen Mlafalismus ist es schon, wenn Workshop-Teilnehmer, die bei uns Fotografie, Aktzeichnen, Werbung oder Schmuck-Design lernen, hinterher sagen können: "Noch nie habe ich meinen Kopf so frei gehabt." Oder: "Ich wusste gar nicht, dass
ich das kann, aber hier habe ich erfahren, was alles möglich ist."
Das ist das "Geheimnis" des Mlafalismus. Beim Zusammensein mit Menschen mit Behinderung kann man schnell spüren, wie überflüssig Zwänge werden. Wie einfach und klar alles wird, wenn man aufhört, sich dauernd selbst zu hinterfragen und zu kontrollieren ("Mache ich denn auch alles richtig?"). In der Kunst gibt es erst einmal kein "richtig" und kein "falsch". Das ist der Ausgangspunkt jeder künstlerischen Arbeit.
Mlafalismus ist der beste Einstieg. Wohltuend für Anfänger. Heilsam für Profis.